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Militärische Geheimhaltung ist ein Auslaufmodell.

Kommunikation statt Konspiration
Schon die Soldaten im zweiten Weltkrieg dokumentierten geheime Aktionen mit ihren mitgeführten, privaten Fotoapparaten und schufen mit Briefen und Erzählungen Dokumente, die nach dem Willen der Befehlshaber nicht hätten festgehalten werden dürfen. Mit den Kommunikationsgewohnheiten und den Medien ist eine Geheimhaltung des Militärischen immer offensichtlicher in Frage gestellt. Die Tarnung der militärischen Anlagen wird am signifikantesten aufgelöst durch:

  • Satellitenaufnahmen, die von unterschiedlichen Firmen angeboten werden.
  • Kommunikationsbedürfnisse: Glorifizierende Propaganda und individuelle Kommunikation von Armeeangehörigen mittels privaten Fotos und Berichten.
  • Globale Kommunikationskanäle: Internetplattformen, Suchmaschinen wie Google, private Blogs aber auch Mobiltelefone usw.

Strategien der Präsentation untergraben die Geheimhaltung:
Medien werden als Machtfaktor längst in die Kriegsführung einbezogen. Die eigene Armee wird glorifiziert, der Feind wird vorgeführt. Es herrscht eine zweite Front in Form eines Krieges der Bilder.

Diesen Krieg der Bilder nutzen die Streitmächte sehr gezielt. Darstellungen von angeblichen chemischen Massenvernichtungswaffen von Saddam Hussein, die Präsentation einer sauberen Kriegsführung im zweiten Golfkrieg 1991, gezielte Reportagen – das ist die heutige Form einer Propagandaschlacht.

Den Krieg der Bilder versucht man aber gleichzeitig einzuschränken: Embeded Journalists bei den Amerikanern, Dämonisierung des Webs bei Arabischen Fundamentalisten, Zensur in China usw.

Sie wollten Soldaten doch es kamen Menschen
Der Rückhalt einer Armee in der demokratischen Gesellschaft und die Verankerung, Verantwortung und Rechtfertigung des Gewaltmonopols der Nationalstaaten führte zum Ideal des „Bürgers in Uniform“. Dass dieser Bürger auch im Dienst ein kommunizierendes, kritisches Individuum bleibt, ist Garant für den demokratischen Rückhalt in der Gesellschaft und für die Loyalität des Einzelnen. Individuelle Bekundungen sind also nicht kategorischer Feind der Armee.

Die Geheimhaltung meint nicht die Bilder, sondern die Wahrnehmung.
Die Armeen betreiben Demonstrationen von Macht und Stärke und verschiedene Formen der Selbstdarstellung – beispielsweise zum Anwerbung von dienstbereiten Soldaten. Damit kontrastieren sie selbst die verordnete Geheimhaltung. Bei diesen Darstellungen scheint die Funktionsweise der Wahrnehmung richtig zu sein, die Botschaft scheint den Machthabern zu dienen, daher ist die Geheimhaltung obsolet.

Absicht eines Abbildungsverbots ist also nicht die bloße Darstellung militärischer Anlagen, sondern vielmehr die freie, kritische Wahrnehmung.

ZONE*INTERDITE ist brisant aufgrund der Omnipräsenz militärischer Manifestationen bei gleichzeitigem Wahrnehmungsverbot. Offensichtlich ist, dass ein Wahrnehmungsverbot nicht die feindlichen Geheimdienste abhalten wird, sondern vielmehr die Kritiklosigkeit der eigenen Bevölkerung gewährleistet. Die eigenen Bürger stehen durch das Wahrnehmungsverbot in der Pflicht, sind eingebunden in einen Apparat und stehen so in einem gezielten Kontrast zum Anderen, zum Nicht-Bürger, zum Ausländer, zum Staatsfeind oder gar zum Kriegsfeind.

ZONE*INTERDITE ist exemplarisch
Exemplarisch sind die sich stetig verändernden Kommunikations- und Simulationsmöglichkeiten, die unseren Wahrnehmungshorizont kontinuierlich verändern und neue Blickwinkel freigeben. (Beispielsweise die verlinkten privaten Homepages, Google und das Simulationspotenzial von VR.)

Exemplarisch an ZONE*INTERDITE ist aber mehr noch ein Überschreiten, in dem eine Selbstvorstellung und die Befangenheit in dieser Vorstellung aufbricht.

ZONE*INTERDITE fasziniert und verunsichert gleichsam. Die Lust am Entdecken und am Sehen ruft einen Aspekt wach, den wir als Bürger eines Nationalstaats und als ergebene Patrioten nicht als Part unserer eigenen Persönlichkeit vermutet hatten. Ist es eine dämonische oder dunkle Seite? Das mag so scheinen auf den ersten Blick, als Verrat nicht nur am Vaterland sondern vielmehr auch als Verrat an den eigenen Idealen. Genauer besehnen aber ist es nur die Selbstvorstellung, nur das Bild das wir von unserer Integrität und persönlichen Denk- und Funktionsweise hatten, das hier verraten oder vielmehr verblassen wird. Im Erleben und Sehen überschreiten wir, was wir vermeintlich für unser Selbst hielten. Wir erleben, dass wir mehr sind. Zwar streben wir nach Ordnung und Sicherheit, aber unsere Sinne lassen sich nicht darauf beschränken. Wir sind auch hungrig nach einem kritischen Geist, nach einer Befragung von Ordnung und Ideal, nach Unbekanntem und Neuem.

Unser Vorstellungspotenzial und unsere Phantasie übersteigen die Vorhersehbarkeit der Selbstvorstellung und die Idee der Integrität und Berechenbarkeit. Hier birgt das Projekt ZONE*INTERDITE eine Erfahrung: In der Auflösung projizierter Selbstvorstellung und dem Erlebnis des eigenen Vorstellungspotenzials manifestiert sich eine grundlegende Entscheidungsfreiheit und Mündigkeit, die resistent ist gegenüber jeder Vorschrift und jedem Vorbild.



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