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Überschreitung

ZONE*INTERDITE zeigt “Restricted Areas”. Diese abgegrenzten Gebiete zu betreten ist verboten. Weiter besteht ein Verbot, diese Gebiete bildlich festzuhalten. Die Terrains wurden eigentliche Tabuzonen. ZONE*INTERDITE öffnet einen Aspekt, der bislang in dem Tabu negiert war.

Diese militärischen Gebiete sind trotz der Verbote wahrnehmbar und tauchen auch in allen möglichen militärischen, staatlichen und zivilen Darstellungen auf. Das Verbot zielt also darauf, dass wir für diese “Restricted Areas” keine Zeichen und keine Sprache haben. Prekär ist deshalb nicht die Darstellung, sondern die Wahrnehmung. In dieser Wahrnehmung findet die eigentliche Überschreitung von ZONE*INTERDITE statt.

Die Überschreitung macht uns gleichsam zum Verräter am Selbst und zum Spion in eigener Sache.

Das liegt daran, dass wir dieses Darstellungs- oder genau gesagt: Wahrnehmungsverbot stets selbst ausgeführt haben. Wir haben dieses Wahrnehmungsverbot kritiklos ausgeführt, weil es in unserer Auffassung als selbstverständlich und als nicht hinterfragbar galt. Die individuelle Exekution des Wahrnehmungsverbots war bislang Bestandteil unseres Selbstkonstrukts. Wir empfanden das als selbstverständlich, weil wir uns als Patriot, als Bürger eines Nationalstaates, als Soldat usw. identifizierten.

Bei ZONE*INTERDITE hadert der Betrachter nun aber angesichts dessen, was der Zensur unterlag. ZONE*INTERDITE zielt auf eine Mündigkeit des Selbst, auf die eigene Autorenschaft an diesem Selbst.

So intendiert ZONE*INTERDITE also nicht den Verrat militärischer Geheimnisse. Sondern ZONE*INTERDITE zeigt einen Widerspruch, auf dem das Selbst und die eigene Selbstvorstellung fußt: bestimmte Dinge zu wissen und zu kennen, und diese Kenntnis als nicht vorhanden anzusehen.

Es ist eine kollektive Kraft, eine verordnete Situation, die das genuine Selbst, die Selbstvorstellung und Selbstauffassung dominiert. Der Widerspruch ist, dass wir ein aufoktruiertes Wahrnehmungsverbot selbst ausführen, und dadurch unsere eigene Autorenschaft am Selbst untergraben.

Zum besseren Verständnis schauen wir nochmals auf den Verrat militärischer Geheimnisse: Der militärische Geheimnisträger ist in dieser Autorenschaft frei: er wählt seine Funktion, er kann sich frei entscheiden, ob er das Geheimnis für sich behält oder weiter trägt und verrät. Er entscheidet sich, wem er wie dienen will, kann Agent oder Doppelagent oder treuer Funktionär sein, und weiss sich in allen Fällen als selbstständiger Entscheider.

ZONE*INTERDITE zeigt indes, dass wir als sogenannte freie Bürger nicht frei wahrnehmen. Wir entscheiden nicht selbst, wie wir das Gesehene empfinden. Stattdessen unterstehen wir einer Situation, die wir zwar für unser Selbst halten, die aber nicht unserer eigenen Urheberschaft unterliegt, sondern von außen verordnet ist.

Die Grenzen des Selbst werden mit ZONE*INTERDITE evident.



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